Graugänse sehen nicht alle gleich, aber schon recht ähnlich aus. Mit einer individuellen Markierung können Vögel unterschieden und wiedererkannt werden.

Seit über 100 Jahren werden Vögel zu wissenschaftlichen Zwecken beringt. Zur Erforschung von Zugwegen, Lebenszyklen etc. markierte man verschiedenste Vogelarten ausschließlich mit Metallringen. Der Nachteil daran war, dass man darauf warten musste bis der beringte Vogel tot gefunden wurde. Durch den Einsatz von Farbringen können wir heute auch die Ringnummer eines lebenden Vogels ablesen. Aus einem anonymen Vogel wird eine bekannte Persönlichkeit. So können der Lebenslauf und die Wanderungen einzelner Gänse verfolgt werden.
Dadurch gewinnt man detaillierte Informationen über die Populationsstrukturen (z.B. Sterberate, Bruterfolg, Verpaarung, Verwandtschaftsverhältnisse und Wanderungen).

Zahlen, Daten, Fakten

Begonnen wurde mit der regelmäßigen Markierung von Graugänsen in Hamburg 1988 am Öjendorfer See. Seit 1992 werden auch im restlichen Stadtgebiet Gänse beringt. Ziel ist es herauszufinden, was aus den Generationen nach den ehemals wieder angesiedelten Gänsen geworden ist und wie einzelne Bereiche im Stadtgebiet und außerhalb genutzt werden.

Hamburg ist blau-weiß

Der Aluminiumring der Vogelwarte Helgoland wird seit 1999 mit einem blauen Farbring mit weißer Inschrift am anderen Bein ergänzt. Die Gans kann so wesentlich besser und auch auf größere Entfernung abgelesen werden. Denn außerhalb der Parkanlagen verhalten sich unsere Graugänse wesentlich scheuer und halten oft großen Abstand zu Menschen. Ok, durch Matsch und Schlamm (beispielsweise Elbschlick) können die Farbringe auch mal braun-weiß wirken.

Dazu hier die wichtigsten Fragen:

  • Welche Gänse ziehen ab - welche bleiben hier?

  • Wo rasten Hamburger Graugänse außerhalb der Stadt im Hochsommer, Herbst und Winter?

  • Wie weit ziehen sie die Elbe entlang?

  • Wie werden bestimmte Bereiche im Stadtgebiet in den verschiedenen Jahreszeiten genutzt?

  • Gibt es Unterschiede z.B. bei Bruterfolg, Alter, Fitness zwischen den verschiedenen Zugtypen?

  • Wo siedeln sich junge Hamburger Gänse an?

Konfliktlösungen durch Beringungen

Durch die individuelle Markierung von Gänsen und dem dadurch fundierten Wissen über die Populationen können auch Konfliktsituationen in bestimmten Parkanlagen wesentlich wirkungsvoller gelöst werden. Gerade in den Sommermonaten, wenn die Gänse mausern und Junge führen, kommen sich häufiger Mensch und Gans in den Parks in "die Quere". Viele Konflikte entstehen leider auch durch Unwissenheit vom Planungsmanagement. Durch Beobachtungen und Ringablesungen weiß man von vielen Gänsen, welche sich wann wo aufhalten und wie und wozu sie bestimmte Plätze nutzen. Wenn man beispielsweise einen Sandkasten im Winter an das Ufer eines Mausergewässers baut, darf man sich nicht wundern, wenn beispielsweise im Sommer auch Gänse im Sand sitzen und ihre Hinterlassenschaften verteilen. Verständlich, dass man zunächst sauer auf die Gänse ist.
Mit einigen Tricks lassen sich Gänse allerdings häufig recht gut "lenken". Man sollte nicht komplett gegen sie, sondern immer mit ihnen planen. Daher ist es wichtig den Gänsen immer genügend Ausweichflächen zu bieten. Durch gezieltes Gänsemanagement können gänsefreie Orte geschaffen werden und Gebiete für Gänse und deren Sympathisanten.