Ringlein, Ringlein musst du wandern?

Man kann nicht von "der Hamburger Graugans" sprechen. Man kann nicht sagen alle Barmbeker ziehen im Sommer an die Ostsee, alle Ohlsdorfer rasten nach der Brutzeit an der Elbe, alle Wandsbeker bevorzugen niederländische Wiesen oder alle Winterhuder hocken ganzjährig in der Stadt.

Jede Gans hat ihre "gans" persönliche Zugstrategie.

Häufig kann man in Parks viele Familien zusammen beobachten. Einige Paare brüten auch jedes Jahr in direkter Nachbarschaft; man kennt sich. Doch sobald der Nachwuchs flügge ist, fliegt jede Familie ihre eigenen Wege.
Manche Zeitgenossen sind "gans" standorttreu und sitzen das ganze Jahr über in der Stadt, andere sind sehr mobil und tauchen scho nmal im Ausland auf.

Neben den regelmäßigen Ablesungen aus den Parkanlagen werden Hamburger Graugänse häufig entlang der Elbe gesichtet. Ein Schwerpunkt dabei ist die Wedeler Marsch. Aufgrund von vielen Beobachtern und guten Sichtbedingungen durch kurzrasige Viehweiden und Wattflächen stammen viele Ablesungen aus diesem Gebiet. Hamburger Graugänse ziehen oft entlang der Elbe. Viele in westliche, einige aber auch in östliche Richtung. Auch aus dem Ostseeraum gibt es Wiederfunde (Fehmarn, Hohwachter Bucht, Schweden und Dänemark). Auf der Geest tauchen die Gänse eher in den Wintermonaten auf. Größere Wintertrupps bei Hamburg finden sich beispielsweise auf den Feldern rund um die Kiesgruben bei Appen-Etz, in der Hummelsbütteler Feldmark oder bei Altengamme in den Vier- und Marschlanden. Dort rastet aber immer nur ein Teil der Hamburger Graugänse. Wo der Rest außerhalb der Stadt überwintern ist bei vielen Vögeln allerdings noch unbekannt. Häufig verlassen die Gänse nach der Brutzeit die Stadt oder werden noch bis zum Herbst in den Elbmarschen gesehen und tauchen dann erst wieder zum Frühjahr auf. Es bleibt spannend.

Gans international

Wiederfunde von Hamburger Graugänsen liegen mittlerweile aus mehreren europäischen Ländern vor. Mal wurden diese Tiere geschossen - mal wurden sie lebendig abgelesen. Natürlich ist es wesentlich schwieriger, außerhalb der Stadt die blauen Fußringe abzulesen. Man muss Glück haben, dass die Gans beispielsweise auf einer kurzrasigen Wiese herumspaziert, auf einem Acker oder auf einer Sandbank etc. rastet. Da ein Großteil der Gänse im Frühling und Sommer zum Brüten oder Mausern nach Hamburg zurückkommt, stammen die meisten Fernfunde von außerhalb der Brutzeit.

Oft sind es junge Graugänse, welche weite Strecken zurücklegen. Auch Vögel, die sich anderen Populationen angeschlossen haben, tauchen häufig erst nach Jahren wieder an den unterschiedlichsten Orten auf. Natürlich wird immer nur ein Bruchteil der ziehenden Gänse abgelesen, die "Dunkelziffer" ist dabei wesentlich höher. Die Kilometerangaben zeigen immer die Distanz zwischen Beringungs- und Wiederfundort (Luftlinie). Die Gans wird sicher nicht die kürzeste Strecke gewählt haben, sondern hier und da einen Abstecher gemacht haben.

Aus dem Ausland liegen uns beispielsweise folgende Wiederfunde vor:

      • Dänemark

Abybro (403 km), Bjernaes (150 km), Kopenhagen-Utterslev Mose (285 km), Nakskov (171 km), Skalskoer (197 km)

      • Frankreich

Outines (676 km), Wasnes-au-Bac (596 km), Yves (1.157 km)

      • Niederlande

Doornenburg (327 km), Drimmelen (400 km), Meinerswijk (480 km), Nijmwegen (340 km), Rammegors (450 km), Tonnekreet (350 km), Zuiderwoude (363 km)

      • Norwegen

Oslo-Østensjøvannet(710 km), Tuskjær, Ås, Akershus (687 km)

      • Schweden

St. Bjurum-Hornborgasjön (558 km), Trönninge (379 km), Södermanland-Jönaker (722 km)

      • Spanien

Sevilla-Isla Mayor (2.225 km)