Manche Exemplare wollen scheinbar "gans" hoch hinaus. So können vorallem im Frühjahr Graugänse auf Dächern beobachtet werden. Zum einen dienen Gebäude Gantern als "Wachturm" bei der Nestwache. Das vermehrte Anfliegen eines größeren Balkonkastens deutet hingegen auf aktive Brutplatzsuche hin.
Dass Graugänse in Bäumen brüten können, ist bekannt. Flachdächer oder begrünte Balkone könnten für einzelne Gänse allerdings auch einen alternativen Brutplatz bieten. Es sind immer nur einzelne Gänse mit so einem "Tick", welche etwas "Gans" Neues ausprobieren. Anderswo brüten Gänse auf begrünten Felsen; große grüne Balkonkästen tun es aber offensichtlich auch.

Erfolgreich sind solche Bruten aber nicht immer, denn Gänse sind Nestflüchter und werden nicht von den Eltern gefüttert. Die Gössel verlassen in der Regel am 2. Lebenstag das Nest, in dem die Eltern ihren Nachwuchs an ein sicheres Gewässer führen. Zuerst müssen die Kleinen aber vom Dach gelagen und das geht nur in dem sie springen.

Um den Nachwuchs herunter zu locken muss die Mutter runter fliegen und die Gössel rufen und zu motivieren um zu springen. Während dieser Phase ist der Nachwuchs oben ungeschützt und Krähen oder Möwen haben ein leichtes Spiel.

Oft sind Dachterassen aber aus Sicherheitsgründen mit Zäunen und/oder hohen Mauern umgeben, welche dann für die Gänsefamilie unüberwindbar sind. So sind die Gänsefamilien dann gefangen. Der Boden unterhalb der Dachterassen ist oft versiegelt, sodass die Überlebenschancen beim einem Sprung der Küken eher gering sind.

Daher ist es wichtig uns solche Brutplätze zu melden, damit wir rechtzeitig den Gänsenachwuchs "bergen" können.

Vorteile einer Brut auf einer Dachterasse:

  • Raubsäuger wie Fuchs, Marderhund oder Hunde fehlen (wenn der Besitzer der Dachterasse kein Hundehalter ist)
  • Gänse sind unabhängig von Eisbildung (Inseln werden bei Eisbildung plötzlich zugänglich für Raubsäuger)
  • Auf Dachterassen haben Gänse kaum Brutplatzkonkurrenz, da Gänse in den meisten Fällen Bodenbrüter sind

Nachteile einer Brut auf einer Dachterasse:

  • Gänse sind Wind und Wetter ausgesetzt
  • Es gibt kaum Nistmaterial um ein ausreichend wärmendes Nest zu bauen
  • Greifvögel, Möwen und Krähen haben "freien" Zugang zu den Nestern
  • Gössel müssen das Nest verlassen und vom Dach springen
  • Familien sind oft "gefangen", da Mauern oder Zäune den Weg nach unten versperren

2013 konnte die erste Brut auf einem Balkon in Winterhude am Osterbekkanal nachgewiesen werden. Erfolgreiche Bruten sind aber bisher nocht selten. Dieses Phänomen ist in Hamburg noch ganz neu und unerforscht.