Federn nutzen im Laufe der Zeit ab und müssen erneuert werden. Diesen Federwechsel nennt man Mauser. Graugänse mausern in unserer Region von Mitte Mai bis Mitte Juni.

Dazu werfen sie innerhalb kürzester Zeit ihre gesamten Schwungfedern ab (Schwingenmauser) und werden somit zwangsläufig zu Fußgängern. Niemand mausert gerne allein - oft bilden sich große Trupps welche eine gewisse Sicherheit für die Vögel bieten; mehr Augen sehen mehr! Während dieser Zeit können die Vögel bei Gefahr nicht davonfliegen. Sie sind daher auf ufernahe Weidegründe (Wiesen, Rasenflächen) angewiesen, um schnell ins Wasser flüchten zu können.

Für ahnungslose Spaziergänger können mausernde Gänse recht mitgenommen wirken. Häufig werfen die Vögel nämlich viele Federn auf einmal ab, so wachsen die Federn alle gleichmäßig nach.
Größere Gewässer mit einer Insel zum Ruhen und angrenzenden Wiesen oder Rasenflächen sind ideal um die Zeit der Flugunfähigkeit gut und sicher zu überstehen.

Woher kommen plötzlich so viele Gänse?

Leicht kann zu dieser Zeit der Eindruck entstehen, es gebe eine Überbevölkerung von Gänsen - doch der Großteil dieser Graugänse sucht den Mauserplatz nur einmal im Jahr auf. Viele der mausernden Gänse an einem Mausergewässer kommen aus anderen Stadtteilen, anderen Bundesländern oder sogar aus dem Ausland nach Hamburg, um hier sicher die gefährliche Zeit der Flugunfähigkeit zu verbringen; Sommertouristen praktisch. Von anderen Gewässern ist bekannt, dass Gänse für einen sicheren Mauserplatz häufig große Entfernungen zurücklegen. Viele dieser (beringten) "Mausertouris" tauchen jedes Jahr pünktlich Mitte Mai in der Hansestadt auf, um dann Mitte/Ende Juni so plötzlich zu verschwinden, wie sie aufgetaucht sind. Einen Großteil der Gänse, welche man in dieser Jahreszeit beim Spaziergang an der Alster beobachten kann, stammt also gar nicht von hier.

Gänse, die sich sonst eher scheu dem Menschen gegenüber verhalten, passen sich dem Fluchtverhalten bzw. der Zutraulichkeit vieler Stadtgänse an und sind während der Mauser somit nicht von ihnen zu unterscheiden. Sicherlich spielt dabei auch der Gewichtsverlust während dieser Phase eine Rolle, da die Gänse dann zu Fuß nur noch in Ufernähe nach Nahrung suchen können.

Bei Gefahr müssen die Gänse sofort ins Wasser flüchten können, daher halten sich mausernde Gänse immer in Ufernähe auf. Zu dieser Zeit sind sie extrem wachsam und rennen bei der kleinsten Störung ins Wasser. Während der Mauser werden die ufernahen Wiesen und Rasenflächen intensiv abgefressen. Saftige, üppige, grüne Wiesen können zu Fuß nicht mehr erreicht werden. Viele Vögel machen in ihrer rund einmonatigen Flugunfähigkeit daher eine Zwangsdiät und magern teilweise stark ab.

Viele Gänse mausern in den ersten Lebensjahren dort, wo sie als Küken aufgewachsen sind. Nach 4 bis 5 Wochen sind die Schwungfedern so weit gewachsen, dass die Gänse wieder flugfähig sind. Bis Ende Juni sind die Graugänse durch und können wieder abheben.

Jungeführende Gänse erneuern ebenfalls ihr Gefieder. Wenn die Gössel rund vier Wochen alt sind, werfen die Alten ihre Schwungfedern ab. Mit knapp zwei Monaten ist der Nachwuchs flügge. Dann sind die Eltern wieder flugfähig und geben der neuen Generation erste Flugstunden.