Unsere heutigen Graugänse stammen zu einem großen Teil von den in den 50er und 60er Jahren ausgewilderten Vögeln ab. Als die Gänse damals in Hamburg und Umgebung freigelassen worden sind, waren sie erstmal völlig "planlos". Zugwege uns Strategien werden nicht genetisch vererbt, sondern werden von den Eltern an die Jungvögel weitergegeben. Sie kannten weder Rastplätze noch irgendwelche Zugwege. Teilweise zogen sie mit anderen Gänsen mit oder sie blieben einfach im Stadtgebiet. In Hamburg haben sich daher die unterschiedlichsten Verhaltens- und Zugstrukturen entwickelt. Es gibt einen "harten Kern" welcher sich fast das ganze Jahr über im Stadtgebiet aufhält (Standvögel), es gibt Gänse welche nur zum Brüten nach Hamburg kommen (Zugvögel) und viele unterschiedliche Zugmuster dazwischen (u.a. Teilzieher). So können Gänse aus einer Population verschiedenste Zugtypen aufweisen; nur weil ein Trupp zu bestimmten Jahreszeiten zusammenhält, heißt es nicht, dass sie alle auch gemeinsam wegziehen. Vor allem im Hochsommer und Frühherbst (Juli, August, September) sind viele Parkanlagen "verwaist".
Hamburger Graugänse bewegen sich häufig entlang der Elbe oder ziehen südwestlich bzw. nordöstlich von Hamburg.

Beispiel Osterbekkanal

Am Osterbekkanal im Hamburger Stadtteil Barmbek ziehen bis zu ein Dutzend Graugansfamilien ihren Nachwuchs auf. Viele Paare kennen sich und bilden häufig Gemeinschaften mit anderen Familien. Die meisten Familien sind recht zutraulich und wirken für den "Laien" alle gleich. Zwar halten diese Familien am Osterbekkanal zusammen, doch hat jedes einzelne Paar seine "gans" persönliche Zugstrategie. Einzelne ziehen gar nicht, andere halten sich nur zur Brutzeit im Stadtgebiet auf. Dazu eine Karte mit Ablesungen dieser Familien vom Osterbekkanal.

Spannend ist, dass Gänse, welche einem in der Stadt aus der Hand fressen, an ihrem Verhalten nicht mehr wiederzuerkennen sind, sobald sie das Stadtgebiet verlassen haben. Sie passen sich den Gegebenheiten an und wären ohne Ringe nicht von anderen "Wildgänsen" zu unterscheiden.

Kaum einer würde beispielsweise bei einer Fahrradtour an der Elbe auf die Idee kommen, dass sich ihm eine Gans aus den riesigen Trupps dort einmal bis auf wenige Zentimeter nähert und ihm ggf. ein Stück Brot aus der Hand frisst.

Hamburger Graugänse lassen sich in 6 verschiedene Zugtypen einordnen.

Da Gänse meist Gewohnheitstiere sind, halten die meisten Gänse über Jahre am gleichen Zugmuster fest.

Junge Gänse sind da noch etwas experimentierfreudiger - gerade im ersten Jahr der Selbständigkeit tauchen sie an den "ungewöhnlichsten" Orten wieder auf. Spätestens wenn sie einen Partner gefunden haben, lassen sie sich meist einem Zugtypen zuordnen. Zur Mauser im Mai und Juni halten sich fast alle Hamburger Graugänse wieder im Stadtgebiet auf.

Die Tabelle zeigt die Anwesenheit (rot) der Graugänse im Stadtgebiet.

 

J

F

M

A

M

J

J

A

S

O

N

D

Typ 1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Typ 2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Typ 3

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Typ 4

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Typ 5

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Typ 6

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Typ 1: verhält sich wie ein Standvogel, hält sich so gut wie das ganze Jahr in der Stadt auf.

Typ 2: bleibt nach Mauser und verlässt erst im Frühherbst (September) das Stadtgebiet, kehrt erst im Frühjahr ins Brutgebiet zurück.

Typ 3: verlässt nach Mauser das Stadtgebiet und kehrt erst im Frühjahr wieder zurück.

Typ 4: verlässt nach Mauser das Stadtgebiet und kehrt im Oktober zurück.

Typ 5: verlässt nach Mauser das Stadtgebiet, kehrt im Oktober zurück und verlässt es nach kurzer Zeit wieder, kehrt dann erst im Frühjahr zurück.

Typ 6: kommt zur zum Mausern ins Stadtgebiet (reine Mausergäste)