Großräumige Entwässerungen von Mooren und Sümpfen sowie umfangreiche Eindeichungen von Flüssen haben den ursprünglichen Lebensraum von Graugänsen und anderen Wasservogelarten in weiten Teilen Europas auf ein Minimum schrumpfen lassen. Diese Lebensraumzerstörung hat die Wasservögel zu einem Wechseln uns Kulturland "gezwungen".
Für Gänse existieren in vielen Gebieten außerhalb von Grünland und Ackerland keine alternativen Ernährungs- und Rastmöglichkeiten mehr. Die Graugans wurde in Deutschland durch diese Zerstörungen in Verbindung mit der Jagd fast ausgerottet.

Durch den Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden sowie das Fördern von Monokulturen zur Energiegewinnung aus Raps und Mais verarmt die Landschaft mehr und mehr. Viele Tier und Pflanzenarten sind ausgestorben bzw. mittlerweile stark bedroht. Einige wenige Arten wie Gänse konnten sich anpassen und profitieren nun von dem vermehrten Nahrungsangebot.

Durch verschiedene Wiederansiedlungsprojekte ab den 50er / 60er Jahren erholten sich die Graugansbestände wieder. Durch das Aussetzen von teilweise zahmen Gänsen aus Tierhaltungen wurden auch Städte wie Hamburg besiedelt.

Es gibt kaum noch ungenutzte Flächen in unseren Breiten. Logisch dass Tiere sich nun auch auf landwirtschaftlich genutzten Flächen und in Parks aufhalten - irgendwo müssen sie ja hin.

Eine Graugans kann alt werden, doch bis dahin ist sie etlichen Gefahren ausgesetzt. Nur selten erreichen Graugänse ein stolzes Alter von 20 Jahren.

In vielen Schutzgebieten gibt es leider regelmäßig Störungen durch frei laufende Hunde, Spaziergänger abseits der Wege oder illegales Angeln, dann weichen die Gänse lieber auf die ruhigen landwirtschaftlich genutzten Flächen aus.

Neuerdings werden viele Lebensräume der Gänse durch Windräder oder Überlandleitungen (Stromleitungen) durchkreuzt und entwerten diese teilweise oder führen zu tödlichen Zusammenstoßen.

Der enorme Flächenverbrauch mit vielen Neubaugebieten oder Nachverdichtungen zerstört weitere Lebensräume für Gänse und andere Wildtiere.

Neben natürlichen Feinden und Gefahren wie kalte Winter, Seeadler, Fuchs und andere Raubtiere sind Graugänse im Stadtgebiet vorallem durch freilaufende Hunde gefährdet. "Staatsfeind Nr. 1" ist aber letztendlich der Mensch, welcher diese Vogelart zum einen in den Parks füttert und sich an ihnen erfreut, sie außerhalb der Grünanlagen aber teilweise massiv bejagt.

Während in früheren Zeiten nur einzelne Gänse zwecks Nahrungserwerb gejagt wurden, geht es heute vielfach um Trophäen oder um die bloße Reduzierung dieser Art.

Vielerorts haben Graugänse mit diverser Vergrämung zu kämpfen. Das geht von Menschen die Nester an Gewässern oder in ihren Gärten (auch illegal) zerstören, über Leute die gezielt ihre Hunde auf Gänse hetzen, Landwirte welche Silvesterraketen auf Gänsetrupps feuern, bis hin zum direkten Abschuss der Gänse durch Jäger und Hobbyschützen.