Die größte Gefahr für eine Graugans stellt die direkte Verfolgung, also die Jagd auf Gänse dar. Viele Landwirte sehen Gänse als Konkurenten an, da sie, wie Rinder und Pferde Gras fressen. Man fürchtet um die Erträge und versucht die Gänse durch Bejagung von den Feldern zu vertreiben. Ob dies so einfach funktioniert ist sehr fraglich und wird heiß diskutiert.

Großräumige Entwässerungen und umfangreiche Eindeichungen haben den ursprünglichen Lebensraum von Graugänsen und anderen Wasservogelarten in weiten Teilen Europas auf ein Minimum schrumpfen lassen. Diese Lebensraumzerstörung hat die Wasservögel zu einem Wechseln uns Kulturland "gezwungen". Für Gänse existieren in vielen Gebieten außerhalb von Grünland und Ackerland keine alternativen Ernährungsmöglichkeiten mehr.

Durch Flurbereinigungen zur Förderung der Intensivlandwirtschaft wurden viele Knicks und Gehölze entfernt und Felder somit immer größer - zum Vorteil der Gänse! Gänse bevorzugen nämlich weite offene Flächen auf denen sie Feinde schon früh wahrnehmen können. Die Nähe von dichteren Hecken oder Wäldchen ist Gänsen nicht geheuer, denn es könnten sich ja beispielsweise Füchse im Unterholz verstecken. Unübersichtliche, kleinräumige Felder werden daher eher von Gänsen gemieden.

Viele Arten sich durch die Intensivlandwirtschaft in weiten Gebieten ausgestorben! Andere Arten wir einige Gänsearten konnten dagegen von überdüngten Landschaften und ganzjährig grünen Feldern provitieren. Auch mildere Winter sind für Gänse positiv.

Grundsätzliches

Der deutsche Bestand der Graugans ist (aktuell) nicht gefährdet. Es ist daher völlig legitim einzelne Gänse als natürliche Ressource in einem gewissen Rahmen sinnvoll (zum Essen) zu nutzen. Ist die Gans beringt, erhält man zusätzlich Informationen über die Herkunft und das Lebens seines Bratens. Zu einer Reduzierung bestimmter regionaler Graugansbestände führt die Jagd allerdings nicht, was wissenschaftliche Untersuchungen zeigen und logisches Denken ergibt.
Man muss realistisch denken: Hat man auf einem Feld 500 Gänse, erlegt man in der Regel nur einzelne Gänse aus dem Trupp. Dann suchen die restlichen 480 andere Felder auf. Die bejagte Fläche ist zwar kurzfristig ohne Gänse, dafür hat der nächste Landwirt plötzlich 480 Gänse mehr auf dem Feld.

Mehr Jagd = mehr scheue Gänse = weniger störungsfreie Flächen = mehr Energieverlust = mehr Energiebedarf = intensivere Nutzung der störungsfreien Flächen.

Während beispielsweise für Wildschweine oder Rotwild detallierte Abschusspläne über Altersstufen oder Geschlechter existieren, werden Gänse nur auf "gut Glück" beschossen. Man kann kaum unterscheiden was für eine Gans man gerade abschießt und da Gänse fliegen können weiß man nie woher sie kommt.
Die Jagd allein ist keine geeignete Methode um bestimmte Populationen zu reduzieren oder nachhaltig Landwirtschaften zu "schützen". Wird ein Paar geschossen, übernimmt das nächste den frei gewordenen Brutplatz. Man kann eben nicht Alles kontrollieren.
Sinnvoll ist nur ein überregionales Gänsemanagement.

Gänsetrupps sind in den meisten Fällen "multikulturell", das heißt, sie finden sich aus den unterschiedlichsten Populationen zu einem Trupp zusammen; was Beringungen zeigen. Am nächsten Tag kann ein Gänsetrupp auf dem selben Feld schon wieder völlig neu zusammengesetzt sein. Zudem verteibt man bei jeder Jagd sämtliche Tierarten aus einem Gebiet und sorgt für erhebliche Störungen, da bei einem Schuss in der Regel jedes Wildtier flieht und viele Gebiete dadurch "entwertet" werden!

Je mehr gejagt wird desto scheuer werden die Gänse und reagieren empfindlicher auf Autos, Spaziergänger, etc. So verbleiben dann nur noch wenige störungsfreie Flächen die dann natürlich umso intensiver genutzt werden.

Schießt man beispielsweise an einem Tag Gänse auf einem Feld, sind erstmal alle Gänse aus der näheren Umgebung verschwunden und man könnte tatsächlich denken die Vergrämung war erfolgreich. Doch schon nach kurzer Zeit können wieder neue Gänse auf diesem Feld landen, weil sie vorher beispielsweise noch in Holland rasteten und gar nichts von der Jagd mitbekommen haben.

Wenn man beispielsweise in einer Saison in einem Gebiet 100 Graugänse erschossen hat, heißt dies nicht zwangsläufig dass die Brutpopulation aus diesem Gebiet um 100 Graugänse im Bestand gesunken ist. Es kann gut sein dass man nur 7 Ansässige, aber 93 Durchzügler erwischt hat, da die Brutpopulation während der Jagdzeit gar nicht oder nur selten in diesem Gebiet rastet.

Die Situation kann auch ähnlich wie bei einem festen Blitzer sein; "geschossen" werden meist die Auswertigen. Denn die Heimischen wissen genau wo der Blitzer steht oder wo häufig geblitzt wird und sind entsprechend vorsichtig. So werden Standvögel unter den Gänsen gefördert. Ziehende Gänse welche sich immer wieder auf neue Situationen einstellen müssen sind viel leichtere "Beute".

Wenn man also Graugänse im August abschießt, weil Graugänse im April bestimmte Pflanzen "angeknabbert" haben ist das alles andere als zielführend. Beringungen an Graugänsen zeigen dass sich der Gänsebestand in vielen Regionen außerhalb der Brutzeit völlig neu zusammensetzt. So bekommt die eigentliche Brutpopulation teilweise gar nichts von der Jagd mit und es trifft die "Unschuldigen". Gänse gehören halt zu den Vögeln, können fliegen und tun es auch.

Man kann genau so gut einzelne Autos an einer Autobahnraststätte abschleppen um den Verkehrslärm für Anwohner zu verringern ...

Nur durch ein gezieltes (überregionales) Gänsemanagement in Zusammenarbeit mit Landwirten, Wissenschaftlern und Jägern lassen sich Konflikte nachhaltig reduzieren.

Folgendes sollte man u.a. beachten:

  • Welche Gänsearten kommen vor?

  • In welchen Jahreszeiten kommen sie vor?

  • Zu welchen Tageszeiten werden die Flächen aufgesucht?

  • Bei welchen Witterungsverhältnissen werden die Flächen aufgesucht? Schnee, viel Regen mit Bildung von Pfützen?

  • Zu welchen Jahreszeiten sind welche Flächen besonders gefährdet?

  • Führen die Gänse nichtflügge Jungvögel?

  • Mausern die Gänse?

  • Gibt es angrenzende Brutgebiete?

  • Kommen markierte Gänse vor, welche Hinweise auf Herkunft und Lebensweise liefern?

Gänse auf einem Feld bedeutet nicht gleich Schäden! Vieles wächst wieder nach. In vielen Fällen ist es einfacher Pflanzenkulturen, welche eher durch Gänse gefährdet sind, umzusiedeln bzw. anderswo anzupflanzen, als Gänse von bestimmten Flächen fernzuhalten. Manche Gebiete sind nämlich durch ihre Struktur einfach wie für Gänse geschaffen und werden daher auch regelmäßig aufgesucht. Gänse treten aber nicht flächendeckend auf, sondern bevorzugen in der Regel solche bestimmten idealen Gänseflächen.
Für regelmäßig nachgewiesene Fraßschäden durch Gänse wäre eine Ausgleichszahlung für Landwirte eine Alternative, wenn sie sich verpflichten die Jagd auf Gänse einzustellen.

Eine gefährdete Vogelart ist die Graugans in Deutschland momentan nicht. Dennoch ist diese Art wie alle europäischen Vogelarten nach dem Bundesnaturschutzgesetz (§ 10 Abs. 2 Nr. 10 BNatSchG) eine besonders geschützte Tierart.

Gans arm dran?

Der Jagdausübungsberechtigte schießt in der Regel auf jede vorbeifliegende Gans, ohne dass Alter, Geschlecht, Familienstand oder Fitness bestimmt wird. Man erlegt oft nur einzelne Gänse aus einem Trupp.

Bei Abschüssen leidet daher nicht die Population, sondern die einzelne Individuen, bzw. das Sozialgefüge, denn man weiß nie auf "wen" man gerade schießt. Spätestens seit den Forschungen des Zoologen Konrad Lorenz wissen wir über das ausgeprägte Sozialverhalten der Graugans Bescheid.

Leider kann man nämlich bei einer Jagd nur in den wenigsten Fällen zwischen Altvogel und Jungvogel, Eltern und "Kinderlosen", ranghohen und rangniedrigen oder schwachen und gesunden Vögeln unterscheiden. Somit gerät die Sozialstruktur nach Abschüssen erstmal völlig durcheinander. Jungvögel, welche normalerweise bis zum nächsten Frühjahr im Familienverband leben, können ernsthafte Probleme bekommen wenn sie ihre Eltern verlieren.

Es wird im Jagdbericht leider nicht dokumentiert ob ein Alt- oder ein Jungvogel erlegt wurde. Dabei sollte gerade diese Quote doch von Interesse sein.

Eine Neuordnung des Soazialgefüges der Gänse nach einer Jagd bedeutet wiederum mehr Auseinandersetzungen, mehr Kämpfe, mehr Energieverbrauch und somit mehr Energiebedarf.
Ob die erschossene Gans tatsächlich an den zu behütenden Pflanzen geknabbert hat, oder ob sie nur vorbeiziehen wollte, wird man dann nicht mehr herausfinden können.

Bei einer Gänsejagd werden in vielen Fällen Gänseattrappen auf einem Feld aufgebaut. Vorüberfliegende Gänse sehen schon von Weitem ihre vermeintlichen "Kollegen" und setzen, von diesen angelockt, zur Landung an. Der Jäger versteckt sich gut getarnt. Sobald die Gänse eine bestimmte Distanz erreicht haben, wird "das Feuer" eröffnet. Dies alles geschieht meist innerhalb von Sekunden.

Man kann daher sagen, dass der Ausdruck "survive of the fittest" im Sinne der Darwin'schen Evolutionstheorie ausgeschaltet wird; im Vorteil ist die "Gans im Glück".

Die meisten Gänse werden vom direkten Abschuss, spätestens jedoch vom Aufprall auf den Boden getötet. Einige überleben aber noch den Absturz und versuchen zu Fuß zu fliehen; den Rest erledigt in der Regel der Jagdhund oder ein erneuter Schuss. Oft werden Gänse nur angeschossen und dabei Schwungfedern etc. zerschossen. Das führt dann beim Fliegen zu mehr Energieverbrauch.
Auch in Hamburg werden angeschossene Gänse gefunden. Das Blei vergiftet den Körper erst nach und nach. Es ist ein schleichender Tod. Früher oder später verenden diese Vögel an ihren Verletzungen bzw. an einer Bleivergiftung. Das Blei aus den Gänsen verbleibt in der Landschaft. Schlecht ist auch, wenn dann beispielsweise ein Seeadler das Blei aus der Gans aufnimmt.

Wird ein Brutplatz frei, weil ein Paar abgeschossen wurde, findet sich relativ schnell ein neues ein; ähnlich wir bei einer freien Wohnung in Hamburg.

Jede Gans ist ein Individuum mit eigenen Vorlieben, Verhalten, Zugwegen, genetischer Veranlagung. Schießt man "wahllos"
in einen Gänsetrupp kann dies Schäden in der Landwirtschaft und Gänsepopulationen sogar noch zum Ansteigen bringen!


Durch Beringungen können die unterschiedlichsten "Typen" erkannt werden. Es gibt in einer Population beispielsweise:

  • Gänse welche generell nur 1 bis 2 Eier legen

  • Gänse welche generell viele Eier legen

  • Gänse welche fast Jahr fast den gesamten Nachwuchs verlieren

  • Gänse welche jedes Jahr fast den gesamten Nachwuchs ohne Verluste großziehen

  • Gänse welche auf geringe Distanz ein Nachbarnest dulden

  • Gänse welche in einem größeren Radius kein Nachbarnest dulden

  • Gänse welche mit dem frisch geschlüpften Nachwuchs sofort abwandern (z.B. zu einem benachbarten Gewässer)

  • Gänse welche an Ort und Stelle ihren Nachwuchs großziehen

  • Gänse welche regelmäßig "gefährdete" Grünlandkulturen aufsuchen

  • Gänse welche eher selten "gefährdete" Grünlandkulturen aufsuchen

  • Gänse welche nur zum Brüten das Gebiet vom Brutplatz aufsuchen

  • Gänse welche fast das ganze Jahr in der Nähe vom Brutplatz bleiben

  • etc.

Alle diese Gänsetypen halten sich in den selben Trupps auf. Schießt man nun wahllos Gänse aus einem Trupp ab
kann das die unterschiedlichsten Auswirkungen für die nächste Brutzeit bringen.


So kann es beispielsweise auch passieren, dass ein dominanter Ganter bzw. ein ranghohes Paar geschossen wird. Im folgenden Frühjahr wird somit der Brutplatz der "Alteingesessenen" frei. Jüngere oder rangniedrigere Gänse werden versuchen dieses freie Brutrevier für sich zu erobern. Dabei sind sie meist sozialer und dulden den nächsten Nachbarn häufig in einem wesentlich geringeren Abstand zum eigenen Nest, als das dominante Paar seinerzeit. Diese Paare sind sozusagen "froh" dass sie es geschafft haben und wollen keine Aufmerksamkeit erregen, um nicht evtl. doch wieder von ihrem Brutplatz vertrieben zu werden. So bekommen plötzlich mehr Gänse die Möglichkeit zu brüten und der Gänsebestand wächst; Reduzierung fehlgeschlagen.

Auch in Hamburg unterliegt die Graugans dem Jagdrecht. Allerdings wird nur selten im städtischen Bereich auf Gänse geschossen. Parkanlagen zählen nämlich zu den befriedeten Bezirken, das heißt dass die Jagd nur im Einzelfall durch Zulassung der zuständigen Behörde beschränkt ausgeübt werden darf. Ob eine Sondergenehmigung vorliegt, kann beim örtlichen Polizeikommissariat erfragt werden.

Auf dem Ohlsdorfer Friedhof, dem weltgrößten Parkfriedhof, werden zum Beispiel regelmäßig Grau- und Kanadagänse zwischen Grabsteinen und Teichen erschossen und vergrämt. Dies geschieht in der Regel früh morgens, wenn erst wenige Besucher auf dem Friedhof unterwegs sind. Moralisch alles sehr bedenklich.

"Den Verstorbenen zur letzten Ruhe, den Lebenden zur Erbauung." (Wilhelm Cordes, Gründer des Friedhofs.)

§ 2 Bundesjagdgesetz

Befriedete Bezirke

(1) Befriedete Bezirke (§ 6 Satz 1 Bundesjagdgesetz) sind:

  1. Gebäude, die zum Aufenthalt von Menschen dienen, und Baulichkeiten, die mit solchen Gebäuden räumlich zusammenhängen, sowie die angrenzenden Flächen bis zu 20 m Breite,

  2. Hofräume, Hausgärten und Parks, die unmittelbar an eine Behausung anstoßen und durch eine Umfriedung begrenzt oder sonst vollständig abgeschlossen sind,

  3. Friedhöfe,

  4. öffentliche Grün- und Erholungsanlagen im Sinne des Gesetzes über Grün- und Erholungsanlagen vom 18. Oktober 1957 (Sammlung des bereinigten hamburgischen Landesrechts I 2133-a),

  5. sonstige Grundflächen wie Naturschutzgebiete, Naturdenkmale und geschützte Landschaftsbestandteile sowie Anlagen, die durch die zuständige Behörde befriedet werden. Die zuständige Behörde kann solche Grundflächen, die durch Einzäunung oder auf andere Weise gegen den Zutritt von Menschen abgeschlossen und deren Eingänge sowie Einsprünge absperrbar sind, und Anlagen ganz oder teilweise befrieden.

Im Jagdjahr 2014/2015 wurden in Hamburg beispielsweise 534 Graugänse geschossen, in Schleswig-Holstein 12.471 und in Niedersachsen 14.346.
Nachzulesen sind die Abschusszahlen der verschiedenen Arten in den Jagdstrecken der Bundesländer. Außer in Baden-Württemberg, Berlin und Thüringen darf die Graugans in allen Bundesländern geschossen werden.

Trotz zahlreicher Kritik werden die Jagdzeiten für die Graugans immer weiter ausgedehnt, so darf diese Art in manchen Bundesländern bereits über die Hälfte des Jahres offiziell geschossen werden.

Graugansjagd in Hamburg

In Hamburg dürfen Graugänse vom 1. bis zum 31. August und vom 1. November bis zum 15. Januar erschossen werden. Eine Sonderregelung gibt es für den Bezirk Bergedorf (Vier- und Marschlande) für die Monate September und Oktober. "Zur Schadensabwehr auf gefährdeten landwirtschaftlichen Flächen" werden auch in diesen beiden Monaten etliche Graugänse in Hamburgs Südosten erlegt.

2014 genehmigte die SPD-Regierung eine Ausweitung der Graugansjagd in Hamburg.

Seit 2014 dürfen schon im August Graugänse in der Hansestadt erschossen werden! Somit endet manches Graugansleben schon nach 4 Monaten...

no risk no gun

Die Standvögel in den Hamburger Parkanlagen sind somit im Vorteil. Gänse welche gar nicht wegfliegen sondern das ganze Jahr über in der Stadt "hocken" wirken zwar aus menschlicher Sicht "langweilig", haben aber im Gegensatz zu ihren ziehenden Artgenossen oftmals viel höhere Überlebenschancen! Unsere ältesten beringten Gänse gehören fast alle zu den Standvögeln.