Fuchs, du hast die Gans gestohlen - auch dieser "Klassiker" kommt regelmäßig in Hamburg vor. Füchse sind bis in unsere innenstädtische Grünanlagen eingewandert. Auch neue Arten (Neozoen) wie Waschbär oder Marderhund sind mittlerweile in Hamburg heimisch und machen vor Gänsenestern und dem Nachwuchs nicht halt.

Jeder größere Raubsäuger wie Fuchs, Marderhund oder Wolf kann Gänsen gefährlich werden. Am gefährlichsten ist es während der Brutzeit, wenn die Gans ihr Nest oder ihren Nachwuchs beschützen will. Nester auf Inseln werden auch schwimmend erreicht, beispielsweise vom Fischotter. Auch Wildschweine sind einem Gänsegelege als Allesfresser nicht abgeneigt.

Füchse kommen zunehmend auch in der Innenstadt vor. Regelmäßig werden vor allem brütende Gänse an ihren Nestern gerissen. Einige Brutgebiete sind daher schon wieder aufgegeben worden. Manche Füchse erreichen sogar schwimmend die Nester, was man dieser Art lange nicht zugetraut hat.

Sehr gefürchtet ist auch der Seeadler; sobald er am Himmel auftaucht ist der gesamte Gänseschwarm in der Luft! Vor ihm sind sie nirgendwo sicher - weder in der Luft, noch auf dem Wasser! Gössel oder junge Gänse sind für Seeadler eine beliebte Beute. Gössel können noch nicht fliegen und nur kurz tauchen. So haben manche Seeadler ihre Ernährung ab dem Frühling fast komplett auf Gössel umgestellt.

Die Gössel haben noch eine ganze Reihe andere Feinde. Vorallem in den ersten Lebenstagen greifen sich regelmäßig Großmöwen wie beispielsweise Silber- oder Mantelmöwe so manches Gössel, aber auch Rabenkrähen und Kolkraben suchen gezielt Gänsefamilien auf und versuchen ihr Glück bei unaufmerksamen Eltern.

In Hamburg haben die Graugänse noch einen "speziellen" Feind: Alsterschwäne!

Einzelne Schwäne scheinen einen regelrechten "Hass" auf Küken zu haben und verfolgen diese energisch. Sobald sie ein Küken erwischt haben wird es totgebissen bzw. ertränkt.

Hintergrund Alsterschwäne:
Die Hamburger Alsterschwäne sind keine Wildvögel. Diesen Höckerschwänen wurden einzelne Schwungfedern heraus geschnitten, damit sie nicht wegfliegen können sondern auf der Alster bleiben. Weil sie flugunfähig gemacht werden, können sie bei Eis und Schnee nicht wie wilde Schwäne weg fliegen. Daher werden sie jeden Herbst eingefangen und von mit öffentlichen Mitteln durch den Winter gefüttert. In Hamburg nennt man das Tradition. Nicht ganz uneigennützig, denn es heißt: "Solange Schwäne ihre Runden auf der Alster drehen ist Hamburg wirtschaftlich erfolgreich". Da hilft Hamburg dem Glück einfach ein bisschen nach. Für Touristen sind die ausgesetzten Höckerschwäne auf jeden Fall ein Hingucker und ein beliebtes Fotomotiv. Der natürliche Lebensraum vom Höckerschwan sind Gewässer mit vielen Wasserpflanzen nach denen sie gründeln; sie haben nicht umsonst diesen langen Hals. Trotz ihres Status unterliegen Höckerschwäne auch in Hamburg dem Jagdrecht. Die selbe Art gilt auf der Alster fast als "heilig", wird aber nur wenige Kilometer weiter in den Vier- und Marschlanden geschossen.

Wenn die Bruteit der Graugans ab Anfang März beginnt, befinden sich die Alsterschwäne noch in ihrem Winterquartier am Eppendorfer Mühlenteich und werden gefüttert. Wenn die Gänse also zu brüten beginnen gibt es noch keine Schwäne auf der Alster und für die Gänse scheint alles "ok" zu sein.

Bei einem Schwanenangriff tauchen die Küken zuerst weg, doch der viel größere Schwan holt schnell wieder auf. Den Küken bleibt nur die Flucht an Land. Da das rettende Ufer für Gänsefamilien an den Alsterkanälen aber zum Großteil durch Mauern unerreichbar ist oder durch Zäune der Anwohner versperrt ist, sind die Familien den Schwänen auf den Kanälen oft hilflos ausgeliefert.
So kann ein einzelner Schwan komplette Familien "auslöschen". Auch Gänseeltern, welche ihren Nachwuchs verteidigen wollen werden, können von Schwänen getötet oder verletzt werden.
Es sind aber immer nur einzelne Schwäne welche durch ihr "spezielles" Revierverhalten zur Gefahr für Gänse werden. Problematisch werden diese Schwäne dort wo der Mensch die Ufer verbaut hat und die Gänsefamilien nicht mehr an Land flüchten können.

In natürlichen Lebensräumen können sich Gänsefamilien und Schwan ausweichen. Auf den verbauten Alsterkanälen bleiben den Gänsefamilien allerdings oft nur wenige Flächen (Parks) zur Nahrungssuche. Die Gössel brauchen nämlich flache Ufer um an Land auf die Wiesen zu gelangen. Viel Auswahl haben sie an den Kanälen daher nicht. Wenn nun so ein "verhaltensauffälliger Schwan" eine der wenigen "Gösseltauglichen" Parks "blockiert", kann dies ernsthafte Folgen für die Gänsepopulationen haben. Viele alternative Nahrungsmöglichkeiten haben sie hier nämlich nicht.