Während unserer Touren und Aktionen kommen wir immer wieder mit Leuten ins Gespräch. Dies ist eine Übersicht der am häufigsten gestellten Fragen.

    • Wie alt werden Graugänse?

Die älteste in Hamburg beringte Graugans ist 1990 am Öjendorfer See geschlüpft und 2013 im Bereich der Binnenalster verstorben. Somit wurde dieser Ganter 23 Jahre alt. Viele Gänse werden aber lange nicht so alt. Häufig verschwinden sie plötzlich, werden geschossen oder die Ringnummer einer toten Gans wird nicht gemeldet.

    • Woran erkennt man Männchen und Weibchen?

Bei den meisten Gänsearten sehen beide Geschlechter völlig gleich aus; so auch bei der Graugans. Die Männchen (Ganter) verteidigen (meist) ihre Partnerin (Gans) und tragen die Kämpfe aus. Häufig ist sie etwas kleiner und "kompakter" als er; aber wie bei uns Menschen gibt es auch Paare wo er eine eher weibliche Statur hat oder sie eher männlich wirkt ("Mannsweiber"). Wenn ein Paar Junge führt, ist es immer das Weibchen, bei dem sich die Kleinen ankuscheln und unter das Gefieder kriechen. Zur Brutzeit haben brütende Weibchen blasse Beine - wenn sie fast den ganzen Tag lang auf dem Nest sitzen kommt keine Licht an ihre Beine.

    • Bleiben Gänse ein Leben lang zusammen?

Während der ersten Zeit der Selbständigkeit werden Partner noch manchmal nach kurzer Zeit gewechselt. Wenn eine Gans etwas länger mit einer anderen verpaart ist und spätestens wenn sie das erste Mal zusammen gebrütet haben, können sie bis zum Tod des Partners zusammenbleiben.
Es kann aber auch vorkommen, dass ein ranghoher Ganter (Männchen) seine Partnerin verliert. Wenn er dann noch fit ist und der Schock bzw. die Trauer überwunden ist, kommt es nicht selten vor, dass er sich einfach ein anderes Weibchen aussucht und den eigentlichen Partner aufgrund seiner Dominanz einschüchtert und vertreibt. Die "Mädels" stehen halt auf starke und durchsetzungsfähige "Typen"; brutbiologisch gesehen total korrekt. Ältere Gänse, vorallem männliche, finden oft keinen Partner mehr und bleiben allein.

    • Wie lange bleiben die Küken bei den Eltern?

Gänse bleiben das ganze erste Jahr lang bis zum nächsten Frühjahr bei den Eltern. Erst wenn die Eltern mit einer neuen Brut beginnen werden die Jungen aus dem Vorjahr im Februar oder spätestens im März "rausgeschmissen" - manche gehen freiwillig, bei anderen muss nachgeholfen werden. Wenn die Eltern keinen Bruterfolg haben, darf der Nachwuchs aus dem Vorjahr häufig noch ein Jahr verlängern und somit ein Jahr länger von dem Schutz und der Erfahrung der Eltern profitieren.

    • Greifen Gänse Menschen an?

Viele Leute kennen aggressive und menschenjagende Hausgänse von Bauernhöfen, welche regelmäßig ganze Besuchergruppen in die Flucht schlagen und übertragen diese fiesen Eigenschaften auf die Wildgänse. Graugänse zischen häufig Menschen an und stellen auch mal ihre Flügel auf, um größer zu wirken und somit ihre Küken besser zu verteidigen. Einige Menschen deuten dieses Verhalten falsch und fühlen sich sofort persönlich "angegriffen". Wir Menschen sind es gewohnt, dass wilde Tiere vor uns davonlaufen; kommt nun aber so ein Tier auf einen zu, wissen viele nicht so recht was zu tun ist. Viele Gänse sind es gewohnt gefüttert zu werden und marschieren teilweise erwartungsvoll auf einen zu. So eine zischende Gans hat schon so manchen selbsternannten "Großwildjäger" das Fürchten gelehrt; doch sobald man einen Schritt auf die Gänse zugeht, ziehen sich diese in der Regel zurück. Man sollte nur nicht auf die Idee kommen ein Küken in die Hände zu nehmen; manch ein Ganter überwindet dann doch seine Furcht.
Auch kommt es vor, dass eine Gans beim Füttern mit langgestreckten Hals auf einen zukommt. Diese Drohung gilt in der Regel nicht uns, sondern dem rangschwächeren Tier, welches gerade vor Einem am Futtern ist, aber eigentlich aus der Sicht der anderen Gans beim Brot nichts zu suchen hat.

    • Aber sie beißen!?

"Die Gans hat mich gebissen!" - diesen Satz kann man häufiger hören wenn Gänse gefüttert werden. Manche Gänse nehmen einem das Brot sogar aus der Hand. Dabei kann es passieren, dass das Brot so unglücklich gehalten wird, dass die Gans ohne Absicht die Hand mit dem Brot verwechselt oder versucht beides zu nehmen und dabei leicht zubeißt. Viele Menschen nehmen dies gleich persönlich und diese "bösen Gänse" bekommen ab sofort kein Brot mehr. Wenn eine Gans aus der Hand fressen soll, muss man das Stück Brot unverfehlbar dem Vogel hinhalten. Interessant ist, dass einem meistens die Weibchen das Brot so grob aus der Hand reißen und die großen kräftigen Ganter dagegen eher zärtlich zu Werke gehen.

    • Mit wie viel Jahren fangen Graugänse an zu brüten?

Graugänse werden im dritten Lebensjahr geschlechtsreif und können anfangen zu brüten. Bis eine Gans allerdings in der Lage ist, einen Neststandort erfolgreich gegen Artgenossen zu verteidigen, brauchen sie oft mehrere Jahre. Viele Gänse schaffen dies nicht und brüten nie. Nur die stärksten Gänse setzen sich durch. Es gibt Gänse die sind 10 oder 12 Jahre alt und haben noch nie gebrütet. Weibliche Gänse werden meistens früher Eltern als ihre männlichen Artgenossen. Der Kampf um Frau und Nest wird eben von den Männern ausgetragen und junge Ganter ziehen in den ersten Jahren meist noch den Kürzeren. Während sich viele Weibchen schon im zweiten Lebensjahr verpaaren, findet das andere Geschlecht oft erst im dritten oder vierten Lebensjahr "die Richtige", bzw. ist erst dann stark genug um eine Gans zu beeindrucken.

    • Brüten beide Partner?

Nein. Das Brüten ist reine Frauensache. Auch das Nest wird allein vom Weibchen gebaut. Der Ganter steht nur daneben und "hält ihr den Rücken frei". Er bewacht das Nest während der Brut und verteidigt es gegen Artgenossen.

    • Eine verletzte Gans gefunden - was tun?

Am häufigsten werden Graugänse in der Stadt durch Angelschnüre verletzt. In Panik umwickeln die Schnüre dabei oft die Beine der Gänse und schnüren sie somit immer mehr ab. Auch Angelhaken werden versehentlich für etwas Fressbares gehalten und verschluckt.
Hunde können Gänse ebenfalls schwerer verletzen; auch wenn sie "nur spielen" wollen.
Wenn Sie eine solche Gans entdecken, geben Sie uns bitte sofort über das Kontaktformular Bescheid. Ggf. Feuerwehr oder das Schwanenwesen informieren.
Wenn die Gans beringt ist, kann sie sofort zugeordnet werden und eventuell in ihrem sozialen Umfeld bleiben, bzw. nach erfolgreicher Behandlung wieder zu ihrer Familie oder ihrem Heimatgewässer gebracht werden.

  • Soll ich Gänse füttern?

Beim Füttern kommen viele Kinder erstmals in Kontakt mit Wasservögeln. Kinder bekommen hier die Möglichkeit verschiedene Vögel aus nächster Nähe zu bestaunen und ihr Verhalten zu beobachten. Viele heutige Naturschützer machten so ihre ersten Erfahrungen.
Gänse sind allerdings Wildvögel und somit Selbstversorger. Sie ernähren sich ausschließlich von Pflanzen und sind nicht auf Fütterungen durch den Menschen angewiesen. Natürliche Nahrung ist auch für den Gänsenachwuchs am besten geeignet.
Gegen ein verantwortungsvolles Füttern ist Nichts einzuwenden. Man sollte aber darauf achten, dass nur so viel gefüttert wird wie von den Wasservögeln auch gefressen wird. Zu viel Salz, Fett oder Zucker kann den Vögeln schaden. Futterreste locken Ratten an oder schimmeln. Damit hilft man den Vögeln nicht. Das Geld kann dann viel sinnvoller verwendet werden, beispielsweise für Vogelschutzprojekte und den Erhalt von Schutzgebieten.

    • Werden alle Gänse beringt?

Nein. Meist werden einzelne Familien beringt. Diese reichen aus, um repräsentative Aussagen machen zu können. Alle Gänse zu beringen wäre ein zu großer Aufwand, der ehrenamtlich kaum machbar ist.

    • Fliegen diese Gänse in den Süden?

Vögel ziehen meist aus einem einzigen Grund: Futtermangel! Vogelarten die zum Überwintern in den Süden (Mittelmeer, Afrika) ziehen tun dies überwiegend, weil sie auf Insekten als Nahrung angewiesen sind. Graugänse brauchen zum Überleben als "Vegetarier" vorallem Wiesen und dazu ausreichend Wasser zum Trinken oder Baden und ggf. als Schlafplatz. Solange diese Bedingungen erfüllt sind kommen sie klar. Der Gänsezug hängt neben erlernten Zugtraditionen auch von der Witterung ab.

Die meisten Grauganspopulationen in Mitteleuropa stammen von Auswilderungsprojekten ab den 50er und 60er Jahren ab. Dabei wurden Graugänse "auf gut Glück" einfach auf Seen und Teichen freigelassen, ohne dass den Gänsen Zugwege, Brut- oder Rastplätze bekannt waren! Normalerweise lernen junge Gänse die Zugwege von ihren Eltern. Diese Informationen der traditionellen Zugwege der europäischen Graugans fehlten diesen ausgewilderten Gänsen damals allerdings. Was sie nicht gelernt haben, konnten sie auch nicht an ihren Nachwuchs weitergeben. "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr." Wenn man Graugänse bei uns im Winter sieht hat dies also nicht zwangsläufig etwas mit dem Klimawandel zu tun!

Einige Gänse bleiben "gansjährig" in Hamburg. Andere Wiederfunde zeigen, dass Hamburger Graugänse meist südwestlich (Niederlande, Frankreich, Spanien) oder nordöstlich (Dänemark, Schweden, Norwegen), also häufig entlang der Vogelfluglinie ziehen.
Vorallem junge Gänse sind recht mobil und legen oft weite Strecken zurück um sich anderen Populationen anzuschließen. Regelmäßig ziehen Hamburger Graugänse auch die Elbe entlang.

    • Wo verbringen die Gänse den Winter?

Das ist "gans" unterschiedlich. Einige Gänse ziehen weg, sobald der erste Schnee fällt, andere kommen gerade in harten Wintern gezielt in die Stadt zurück. Wenn Eisschollen die Elbe "unbrauchbar" machen, bieten Eislöcher unter Hamburgs Brücken letzte zugängliche Wasserstellen. Auch profitieren viele Gänse vom Winterquartier der Alsterschwäne am Eppendorfer Mühlenteich - dort gibt es immer offenes Wasser und leckeres Schwanenfutter in Form von Getreide. Zudem gibt es im Stadtgebiet einige Belüftungsanlagen von Tiefgaragen und Fernwärmeleitungen, an denen der Schnee oft taut und das Gras noch lange zugänglich ist. Diese werden von einigen Graugänsen gezielt aufgesucht. Solche "Grünen Inseln" können auch mitten im Siedlungsbereich in Hinterhöfen fernab vom nächsten Gewässer sein.

    • Welches ist der weiteste Wiederfund einer Hamburger Graugans?

Der bisher weiteste Wiederfund einer in Hamburg beringten Graugans stammt aus Südspanien bei Sevilla (Isla Mayor). Die Distanz beträgt 2.225 Kilometer (nach Südwest).

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