lateinischer Name: Anser anser

      • Ordnung: Gänsevögel (Anseriformes)

      • Familie: Entenvögel (Anatidae)

      • Unterfamilie: Gänse (Anserinae)

      • Tribus: Echte Gänse (Anserini)

      • Gattung: Feldgänse (Anser)

      • Größe: 74 bis 84 cm

      • Flügelspannweite: 149 bis 168 cm

      • Gewicht: 2,5 bis 4 kg

      • Lebenserwartung: bis 26 Jahre (ältester Ringfund), meistens verenden Graugänse aber deutlich früher, bzw. werden geschossen

      • Vorkommen: inselartig in Nord-, Mittel- und Südosteuropa, bis nach Vorderasien

Geschichte

Großräumige Entwässerungen und umfangreiche Eindeichungen haben den ursprünglichen Lebensraum von Graugänsen und anderen Wasservogelarten in weiten Teilen Europas auf ein Minimum schrumpfen lassen. Diese Lebensraumzerstörung hat die Wasservögel zu einem Wechseln uns Kulturland "gezwungen". Für Gänse existieren in vielen Gebieten außerhalb von Grünland und Ackerland keine alternativen Ernährungsmöglichkeiten mehr.

Wie lebt die Graugans?

Graugänse halten das ganze Jahr über als Paar zusammen. Wenn kein Abschuss des Partners oder ein natürlicher Tod dazwischen kommt können Paare jahrelang "zusammen" sein. Diese "Treue" außerhalb der Brutzeit kommt nur bei sehr wenigen Vogelarten vor! Jungvögel sind nach rund zwei Monaten flügge (ausgewachsen und flugfähig), bleiben aber noch bis zum nächsten Frühjahr in der Familie und ziehen mit ihren Eltern umher. Ab dem dritten Lebensjahr sind Graugänse geschlechtsreif. Einen Partner suchen sich die weiblichen Gänse oft schon im zweiten Lebensjahr. Die "Jungs" brauchen meist etwas länger bis sie stark genug sind um eine Gänsedame zu beeindrucken. Bis Gänse sich ein Revier erkämpft haben und den ersten Brutversuch starten dauert es aber meist mehrere Jahre. Einigen Gänsen gelingt dies allerdings nie. Nur die stärksten Gänsepaare setzen sich durch und erobern ein Revier.

Wie auch bei uns Menschen gibt es die unterschiedlichsten Lebensweisen: Es gibt Dreierbeziehungen, in der meist ein Ganter zwei Damen um sich hat. Es gibt Fremdgeher, Alleinerziehende, junge Gänse die einfach nicht selbstständig werden wollen und über Jahre hinweg ihre Eltern "verfolgen", Gänse welche nie oder erst sehr spät einen Partner finden, "Angsthasen", welche jedem Konflikt aus dem Weg gehen, Draufgänger oder Paare, welche jedes Jahr gemeinsam ihren Nachwuchs großziehen und eine Art Kindergarten bilden.

Stammform der Hausgans - Gans legendär

Schon vor tausenden Jahren in der Jungsteinzeit wurden Gänse domestiziert und spielten eine wichtige Rolle in Religion, Aberglaube und natürlich als Nahrungsmittel.

Eine religiöse Deutung aus dem Jahr 2300 vor Christus besagt, dass es eine Insel im Urgewässer gab auf der ein Ei lag. Daraus schlüpfte der Sonnengott und flog als Gans davon. Im alten Ägypten wurden Gänse teils sogar als Schoßtiere gehalten, was zahlreiche Bilder in Grabstätten belegen. Auch im Römischen Reich züchtete man im großen Stil Gänse; man kannte schon früh Verfahren um Gänseeier künstlich auszubrüten.
Im Jahre 387 vor Christus sollen Gänse die Stadt Rom vor der Zerstörung durch die Gallier gerettet haben. Sie entdeckten die Angreifer schon früh und warnten die Soldaten durch ihr Geschnatter! Noch heute werden Gänse in verschiedensten Institutionen als Wachtiere gehalten.

Aristoteles kannte schon im 4. Jahrhundert vor Christus viele anatomische Details und zahlreiche Gänsearten. Anfang des 1. Jahrhunderts nach Christus hat der römische Gelehrte Plinius der Ältere bereits die Flugformation der Tiere genau beschrieben. In Griechenland und Kleinasien waren Gänse der Liebesgöttin Aphrodite geweiht.

Bis ins 19. Jahrhundert war der Gänsekiel das gebräuchlichste Schreibinstrument. Gänse erschienen auf Münzen und Vasen, geschnitzte und modellierte Gänseköpfe dienten als Verzierung von Schiffen und Musikinstrumenten. Auch in zahlreichen Märchen und Geschichten sind Gänse als Protagonisten verewigt.