Je nach Witterung im Frühjahr schlüpfen die meisten Gössel in Hamburg zwischen Mitte April und Anfang Mai.
Alle Gössel einer Familie schlüpfen innerhalb eines Tages. Den ersten Tag verbringen sie meistens noch im Nest und unternehmen nur kurze Ausflüge im näheren Umfeld. Nach spätestens drei Tagen verlässt die Familie dann endgültig den Neststandort, denn die Lütten müssen erste Nahrung zu sich nehmen. Da die meisten Nester erhöht liegen und die Gössel sie nach dem Verlassen meist nicht mehr erreichen, wird von da an auf Inseln oder ruhigen Uferabschnitten unter Muttis Flügeln genächtigt.

Eine neue Gänsefamilie ist leicht daran zu erkennen, dass viele Gänse ankommen um die frisch geschlüpften Gössel zu sehen. Es bilden sich manchmal richtige Trupps schaulustiger Gänse. Es sind besonders vorjährige Exemplare, welche sich besonders stark für den Nachwuchs zu interessieren scheinen.

Jedes Gänsepaar hat seine eigenen Vorlieben und Plätze, zu denen sie mit ihren Jungen schwimmen. Dieser Ort wird je nach Entfernung vom Neststandort nach wenigen Stunden erreicht, meist innerhalb eines Tages. Eine Gänsefamilie aus dem NSG Eppendorfer Moor kann beispielsweise schon nach einem Tag am Ballindamm an der Binnenalster hocken. Gänsefamilien vom Goldbekkanal tauchen am Haynspark in Eppendorf auf. Brutplatz und späterer Führungsort der Gössel befinden sich meist in völlig unterschiedlichen Gebieten. Auch während der Nachwuchs aufwächst, pendeln einige Familie über die Alsterkanäle zwischen bestimmten Grundstücken und Parkanlagen.


Die meisten Ufer der kanalisierten Alster und die angrenzenden Grundstücke sind durch Mauern für Gänsefamilien zu hoch und somit unerreichbar. Es gibt nur wenige Plätze, an denen die Familien an Land gehen können. Dort sammeln sich dann oft mehrere Gänsefamilien und bilden sogenannte "Kindergärten". Häufig kennt man sich und duldet sich und den Nachwuchs. Manche Paare ziehen jedes Jahr gemeinsam ihre Gössel auf; größere Gruppen bieten nebenbei auch besseren Schutz vor Gefahren. Vorallem Parkanlagen bieten von der Erreichbarkeit her mit ihren flachen Ufern gute Orte für die Kleinen.

Gefahren lauern überall. Vorallem aber ist das Wetter in den ersten Tagen einer Gans entscheidend; kühles nasses Wetter führt teilweise zu hohen Verlusten bei unerfahreneren Eltern.
Füchse, Waschbären, Marderhunde oder auch größere Raubfische verspeisen gerne mal ein Gössel. Aus der Luft droht Gefahr von Krähen, Raben oder Großmöwen.
Ansonsten stellen vorallem freilaufende Hunde die größte Gefahr im Stadtgebiet dar; für den Hund ist es ein Spiel - für das Gössel geht es um Leben und Tod. Mit ihren kurzen Beinen können sie oft nicht schnell genug ins Wasser flüchten. Auch starker Bootsverkehr kann Familien trennen und Gössel, welche zu langsam flüchten das Leben kosten.
Auch manche Schwäne scheinen nicht gut auf Gössel "zu sprechen" zu sein - einzelne Exemplare starten regelrecht Hetzjagden auf die Familien und ertränken die Kleinen im schlimmsten Fall.

Das Gelbe aus dem Ei

Geschwisterliebe

Sie sind zwar erst wenige Tage alt, doch schon jetzt wird unter den Geschwistern eine Rangordnung hergestellt. Gössel kämpfen wie die Großen und beißen sich im Flaum des anderen fest - nur kann man es als Betrachter kaum ernst nehmen wenn diese kleinen gelben Kügelchen sich anspringen und sich dabei "böse" anpiepsen. Wahre Geschwisterliebe halt.

Gans schnell

Kleine Gänse wachsen schnell. Mit rund einem Monat sind die Kleinen aus dem Gröbsten raus. Erste Federn wachsen. Wer noch unter Muttis Flügel passt, kann sich glücklich schätzen.

Fertig

Mit zwei Monaten sind die jungen Graugänse fast ausgewachsen und lernen zu fliegen. Bei den ersten Ausflügen lauern viele Gefahren: Brücken über den Kanälen und Überlandleitungen können vorallem für ungelernte Flieger zu tödlichen Abstürzen führen. Der Großteil des Nachwuchses meistert aber auch diese Hürde. Die Familie bleibt bis zum nächsten Frühjahr zusammen. So lernen sie Zugwege, saftige grüne Wiesen und anderes kennen. Erst wenn die Eltern im nächsten Frühjahr wieder neu anfangen zu brüten werden die Lütten "rausgeschmissen" - manche gehen freiwillig, bei anderen muss nachgeholfen werden. Sollten die Eltern keinen Bruterfolg haben, dürfen die Gössel häufig ein Jahr "verlängern" und vorerst bei den Eltern bleiben. Vorallem "Einzelkinder" scheinen anhänglicher zu sein und folgen ihren Eltern häufig weiterhin. Sie werden meist geduldet; auch wenn das Elternpaar schon wieder neue Gössel führt.

Und wie nun von den Eltern unterscheiden?

Im Spätsommer sehen die jungen Gänse endgültig aus wie ihre Eltern und das erste "verwaschene" Jugendgefieder ist Geschichte.
Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist weiterhin das typische Piepsen, welches sie beibehalten, solange sie bei ihren Eltern sind; auch wenn es mit der Zeit dann schon deutlich rauer klingt. 
Wenn die Eltern keinen Bruterfolg hatten kommt es häufig vor, dass die Jungen aus dem Vorjahr akzeptiert werden uns sie wieder eine Familie bilden. Die jungen Gänse fangen dann oft plötzlich wieder an zu "piepsen" um den Schutz der Eltern zu genießen. "Verlängern" sie bei ihren Eltern, piepsen sie weiterhin, obwohl sie dann schon längst normal "schnattern" könnten. Wer weiterhin in der Familie bleiben möchte, muss anscheinend ewig Kind sein. Länger als zwei Jahre bleibt allerdings kaum jemand bei seinen Eltern.

Schnabelspitze

In den ersten Monaten nach dem Flüggewerden hat ein Großteil der jungen Graugänse noch eine dunkle Schnabelspitze. Diese verlieren dann die meisten im Laufe des Frühjahres.
Es gibt allerdings auch Junggänse mit heller Schnabelspitze; dies ist aber bei den wenigsten der Fall. Genauso gibt es Ausnahmen, bei denen der Schnabel noch im zweiten Jahr dunkel wirkt.

Brustgefieder

Ein weiteres Erkennungsmerkmal ist das Brustgefieder. Junge Graugänse sind im ersten Jahr "oben ohne"; das heißt ihr Brustgefieder ist noch völlig hell. Erst im Laufe des zweiten Lebensjahres bilden sich erste dunkle Brustfedern. Später können dann immer mehr dunkle Flecken entstehen - bei den einen mehr - bei anderen weniger.